Orchideen der Hainleite

Wegen der Ähnlichkeit der zwei Knollen mit den Hoden stammt der botanische Name vom griechischen Wort όρχις orchis (Hoden). Der griechische Philosoph Theophrastos von Eresos war der erste Naturforscher, der etwa 300 v. Chr. die Knabenkräuter wissenschaftlich erwähnte. Wegen der doppelten Wurzelknollen und der Ähnlichkeit mit den männlichen Genitalien benannte er sie "Orchis" und begründete den Aberglauben, der sich noch lange in alten Schriften wiederfand, dass Frauen, die die stärkere und saftigere der beiden Knollen aßen, einen Knaben gebären würden. Auch der deutsche Name „Knabenkraut“ ist so abgeleitet.

In der klassischen griechischen Mythologie wurde Orchis, der Sohn eines Satyrs und einer Nymphe, von Bacchanten getötet. Durch die Gebete seines Vaters wurde er in eine Pflanze verwandelt, die nun seinen Namen trägt. Die Knabenkräuter (Orchis) sind ausdauernde krautige Pflanzen mit eirunden Knollen als Überdauerungsorgan (Geophyten). Eine der Knollen verwelkt zur Blütezeit, die andere ist für die nächste Blütezeit bestimmt (Wechselknolle). Es wurde in der Vergangenheit angenommen, dass die Arten der Gattung Orchis von der Keimung bis zur Blüte sieben bis neun Jahre brauchen. Tatsächlich ist diese Zeitspanne wesentlich kürzer..

Die Samen sind sehr zahlreich und klein, oft nur 1/4 mm groß und ein Millionstel Gramm schwer.

 

Die große Mehrheit der Landpflanzen profitiert von Lebensgemeinschaften mit Pilzen, die sie in ihren Wurzeln beherbergen. Solche Lebensgemeinschaften (Symbiosen) bezeichnet man als Mycorrhiza. In der Regel versorgt die Pflanze dabei den Pilz mit Kohlenhydraten (Zucker) aus der Photosynthese, die der Pilz nicht selbst herstellen kann. Im Gegenzug verbessert der Pilz die Aufnahme von Mineralsalzen (z.B. Phosphat oder Stickstoffverbindungen) aus dem Boden, wobei er sein feines Netz von Pilzfäden (das Mycelium) als Erweiterung der ungleich gröberen Wurzeln zur Verfügung stellt. Die Symbiose dient also beiden Partnern.  Orchideen besitzen eine eigene und eigentümliche Ausprägung der Mycorrhiza. In ihren Wurzelzellen bilden bestimmte Basidiomyceten (Ständerpilze) charakteristische Knäuel von Pilzfäden, die sogenannten Pelotons. Diese Knäuel stehen mit dem Mycelium in Verbindung, das von der Wurzel ins Erdreich ausstrahlt.  Im Unterschied zu anderen Mycorrhizaformen konnte ein Transport von Zucker von der grünen Orchidee zum Pilz erst kürzlich eindeutig nachgewiesen werden. Es erscheint möglich, dass er bei vielen Arten nur in relativ geringem Ausmaß stattfindet. Der Beitrag des Pilzes zur Mineralsalzversorgung der Pflanze gilt hingegen schon länger als gesichert. 

Alles ein Grund, um zu sagen: Nicht die Pflanzen ausgraben, um sie in Garten wieder einzupflanzen. Alle Orchideen stehen unter Naturschutz! Die Pflanzen würden absterben.

Wir sollten die Orchideen in der Natur belassen und sich an ihrer Blühtenpracht erfreuen.

In unserer Heimat finden wir die Orchideen auf der Hainleite vom Bereich Possenwald bis zum Wipperdurchbruch bei Günzerode, da sie vorwiegend kalkliebend sind. Sie blühen von Ende April bis Anfang Juni. Die Blühtendauer ist abhängig von Niederschlägen. Im Jahr 2011 war die Blühtendauer zum Teil sehr kurz, da es an Niederschlägen mangelnde.



Purpur Knabenkraut (Orchis pupurea)

Keine Orchideen aber sehenswerte Pflanzen auf der Hainleite